Luzerner Zeitung: «Licht und Schatten an Para-Ski-WM»

Die Luzerner Zeitung Interviewte mich und meinen schwyzer Teamkollegen Thomas Pfyl zum Verlauf der WM.

 

Licht und Schatten an Para-Ski-WM: Die Erinnerungen aber sind unbezahlbar

Die Zentralschweizer Para-Skicracks Pascal Christen und Thomas Pfyl erleben eisige Bedingungen in Norwegen.


Ruedi Wechsler, Lillehammer


Bild: Goran Basic / Swiss Paralympic

Hafjell liegt nur 15 Autominuten nördlich von der Olympiastadt Lillehammer. Skilegende Vreni Schneider wurde im Jahr 1994 auf diesem schwierigen Hang Slalom-Olympiasiegerin. Wetterkapriolen erschwerten dem WM-Neuling Pascal Christen, dem Schwyzer Routinier Thomas Pfyl und allen über 100 WM-Teilnehmenden die Aufgabe. Ein Wärmeeinbruch zu Beginn der Wettkämpfe und der anschliessende Temperatursturz verwandelten die Piste in eine Eisbahn.

Monoskibobfahrer Pascal Christen hatte vorgängig gesagt, dass er mit einer Platzierung in den Top 8 sehr glücklich nach Hause fahren würde. Es kamen zunächst aber drei Ausfälle in der Abfahrt, im Super G und in der Super-Kombination. Sie waren den anspruchsvollen Verhältnissen – durchnässte und vereiste Unterlagen – geschuldet. «Wir trainieren fast nie auf solchen Pisten, mir fehlte dadurch die Erfahrung», so Christen, der seit einem Mountainbike-Unfall 2016 querschnittsgelähmt ist.

«Ich bin noch nicht da, wo ich sein möchte. Noch vor einem Jahr wäre ich wohl kaum solche Rennpisten runtergefahren.»


Positiv überrascht über Publicity

Dazu kam noch der starke Wind, der den Athletinnen und Athleten zusetzte. «Ich versuchte ganz bewusst, die drei Ausfälle auszublenden, im Stangenwald des Riesen- und Spezialslaloms kam ich mit den Rängen neun und zehn mit den Herausforderungen schon besser zurecht», bilanziert der Nidwaldner. Positiv überrascht zeigt sich der 29-jährige WM-Neuling von der Publicity in Lillehammer:

«Mit ihr und dem Livestream steigerte sich die Aufmerksamkeit für unseren Sport und mein Umfeld markant. Das finde ich sehr schön und bereichernd.»

Gestern folgte für Christen die Weiterreise nach Are, wo diese Woche vier Weltcuprennen anstehen. Es ist gleichzeitig die Hauptprobe für die WM 2023 in der schwedischen Skidestination. Dort wird Pascal Christen weitere wertvolle Erfahrungen sammeln können.


Thomas Pfyl ist der mit Abstand erfolgreichste Schweizer Para-Skifahrer in der Kategorie Standing. In seinem Wohnzimmer glitzern elf WM-Medaillen. Er zählte zu den Schweizer Medaillenhoffnung. Seine Bilanz fiel etwas zwiespältig aus. Der 8. Rang im Super G hat ihn positiv überrascht. In der Super-Kombi (7. Platz) wäre mehr möglich gewesen. «Ein grober Schnitzer im Super G verunmöglichte eine bessere Klassierung.» Der Riesenslalom (16. Rang) verlief enttäuschend. Im Slalom schnupperte Pfyl nach dem ersten Lauf an Bronze.

«Ich hatte im zweiten Lauf mit der Position zu kämpfen und kam dadurch zu spät auf die Tore zu. Kurz vor dem Ziel nahm das Unheil seinen Lauf und ich schied aus.»

Bild: Goran Basic / Swiss Paralympic

Pfyl freut sich auf die Paralympics in Peking

Seine rechte Körperhälfte ist teilweise gelähmt (Hemiplegie), Thomas Pfyl fährt nur mit einem Skistock. Trotz des anfangs Dezember zugezogenen Bänderrisses am Daumen der gesunden Hand konnte sich der 35-jährige Schwyzer gegenüber den Weltcuprennen in St. Moritz mental steigern und meisterte die extremen Verhältnisse bravourös.

Die Anwesenheit seiner Schwiegereltern und seiner Frau Evelyne im hohen Norden war für ihn das Highlight. Thomas Pfyl sagt: «In den kommenden Wochen stehen viele Skitrainings und einige Europacuprennen in Veysonnaz im Fokus.» Sein grosses Saisonziel sind die Paralympics, die im März in Peking stattfinden.


Quelle: Luzerner Zeitung, 25.01.22