Klassifikation im Behindertenskisport – mit SRF-Video

Klassifikation

Jede behinderte Athletin und jeder behinderte Athlet muss vor seinem ersten Wettkampf von einem IPC-anerkannten Physiotherapeuten oder Arzt untersucht und klassifiziert werden.


Quotient

Die Klassifizierung dient der Chancengleichheit. Im Skisport bedeutet dies, dass jede Sportlerin und jeder Sportler entsprechend seinen Einschränkungen bzw. seiner Klassifikation einen Quotienten (z.B. 0.854) bekommt, mit dem die Laufzeit multipliziert wird.

Das heisst, ein hoch gelähmter Paraplegiker (ohne Rumpfmuskulatur) kann gegen einen Doppel-Beinamputierten Skibobfahrer im Rennen gewinnen, auch wenn letzterer den Lauf bei effektiver Zeitmessung schneller absolviert hat. Der Quotient gleicht die Nachteile aus und macht die Athleten vergleichbar.


Geschichte

In den 70er und 80er Jahren wurden im Behindertenskisport alle Einschränkungen in eigene Klassen unterteilt. Also z.B. der erwähnte Doppel-Beinamputierte im Skibob trat nicht gehen den querschnittgelähmten Skibob-Fahrer an.

So entstanden damals 13 Klassen je Geschlecht. Das ergab 26 Siegerehrungen mit 26 Siegern und je 26 Zweit- und Drittplazierten.


Handicap-System

Um diesen «Medaillensegen» einzudämmen, wurde ein Handicap-System entwickelt. Die 13 Klassen wurden in die drei Kategorien unterteilt: Sehbehindert, Stehend und Sitzend. Heute gibt es also jeweils drei Sieger je Geschlecht.

Die Hörbehinderten und geistig Behinderten Skifahrer messen sich in eigenen Wettkämpfen. Ich gehe in diesem Blogpost jedoch nur auf die paralympische Disziplin «Para Ski Alpin» mit ihren drei erwähnten Kategorien ein.


Die verschiedenen Kategorien (stehend, sitzend, sehbehindert) und Klassen (LW1–9, LW10-12 und B1-B3) im Para Ski Alpin / © srf.ch

SRF-Video zum Para-Ski Sport

Drei meiner Teamkollegen des Swiss Paralympic Ski-Teams wurden im Rahmen der Sportpanorama Plus-Ausgabe vom 20. Februar 2019 begleitet. Der Beitrag gibt einen schönen Einblick in den Alltag und ins Training der Athleten, und erklärt des weiteren ab Minute 15:55 sehr anschaulich die Klassifizierung und Klassen im Para-Ski Sport.

Wer die Sendung verpasst hat, kann es hier nachschauen: «Höchstleistung mit Behinderung – die beeindruckende Welt der Para-Ski-Athleten»



Welche Klassifikationen gibt es bei Skibobfahrern?

In der Kategorie «Sitzend» werden folgende Klassen unterschieden:


Klasse LW10-1

hohe Querschnittlähmung

keine Bauchmuskulatur, keine Sitzbalance

Level ca. T 5–6 (= Läsionshöhe: fünfter oder sechster Brustwirbel) oder Cerebralparetiker, vier Gliedmaßen eingeschränkt (funktionelle Klassifizierung erforderlich)


Klasse LW10-2 (= meine aktuelle Klassifikation)

hohe Querschnittlähmung

wenig Bauchmuskulatur, keine Sitzbalance

Level ca. T7–10


Klasse LW 11

niedrige Querschnittlähmung

Sitzbalance, Rumpf und Hüftkontrolle

Level ca. T11-L1

oder Cerebralparetiker (Diplegie), zwei Gliedmaßen eingeschränkt


Klasse LW12-1

niedrige Querschnittlähmung

Beinfunktion, gute Sitzbalance


Klasse LW 12-2

Amputation an beiden Beinen



Quelle: rollstuhlsport.at und srf.ch